Mein Pilgerbericht

Kleines Vorwort und Einleitung:
Ich versuche jetzt einmal meine Erlebnisse in Worte zu fassen und Euch etwas näher zu bringen.
Das wird nicht leicht werden, wie ich die letzten Wochen schon erfahren mußte. Für den, der den Camino gegangen ist, ist es etwas ganz anderes. als für die "Daheim Gebliebenen". Und das Erlebte rüber zu bringen, ist nicht immer einfach. Diejenigen von Euch, die schon einmal gepilgert sind, werden wissen, was ich meine. Man MUSS den Camino gegangen sein, um seine ganze Faszination zu verstehen. In Worte zu fassen ist dies unheimlich schwer.
Seit ich wieder zu Hause bin, werde ich oft gefragt: Was hat dir das Ganze jetzt gebracht?
Ich antworte eigentlich immer: Fragt mich wieder in einem Jahr, dann kann ich es Euch vielleicht sagen. Die Veränderung, die man durch den Camino evtl. erfährt, werden sich erst im Laufe der Zeit richtig zeigen, oder auch nicht! 
Eine Veränderung, die ich jetzt schon an mir feststelle ist, dass ich viele Dinge relaxter sehe. Ok, meine Frau ist da etwas anderer Meinung, aber ich meine schon dass ich einige Sachen lockerer sehe.
Natürlich gelingt es im Alltags- oder Arbeitsleben nicht immer, aber ich meine, ich gehe mit vielen Angelegenheiten lockerer um. 

So, nun will ich aber beginnen:

Am Sonntag, den 19. April 2015, startete ich in mein großes Abenteuer.
Nach der Verabschiedung von meiner Familie (war nicht ganz leicht), fuhr mich ein Freund nach Stuttgart auf demHauptbahnhof. Dort erntete ich die ersten seltsamen Blicke der anderen Reisenden, da ich mit meinem ca. 1,65 m großen Pilgerstab und dem voll gepackten Rucksack doch etwas auffiel. Gegen 12:50 Uhr ging es Richting Paris, wo ich so um 15.30 Uhr ankam. Da mein Zug erst um 21:30 Uhr weiter fuhr, sah ich mir bei strahlendem Sonnenschein ein bißchen Paris an. Vom Bahnhof Paris Est war es nicht weit zur Kathetrale Notre Dame, von dort ging es weiter der Seine entlang Richtung Eiffelturm. Dies zog sich jetzt doch etwas hin und ich spürte zum ersten Mal die 13kg meines Rucksackes. Auch in Paris waren mir viele Blcke gewiss, denn am Sonntagnachmittag ein Pilger an der Seine, ist auch nicht das Normalste. Endlich hatte ich den Eiffelturm erreicht. Die Parkanlage war sehr gut gefüllt mit vielen jungen Menschen und Familien. Nachdem ich mir unter dem Eiffelturm meine Fleischküchle schmecken gelassen hatte, machte ich mich auf den Weg Richtung Bahnhof Austerlitz. Leider konnte mir niemand sagen, wo sich dieser Bahnhof befand. Die Richtung hatte ich schon, aber wie weit es noch war, konnte ich nicht heraus finden. So langsam lief mir die Zeit etwas davon. Ich sah mich schon in Paris übernachten, da ich meinen Zug verpassen würde. Ein toller Start dachte ich. Endlich konnte mir ein junger Mann weiter helfen. Dank sei der Technik in den heutigen Handys gesagt. Er meinte weit könnte es nicht mehr sein und tatsächlich zwei Strassen weiter erblickte ich zu meiner großen Freude den Bahnhof. Ich hatte noch eine halbe Stunde Zeit und so konnte ich gemütlich den richtigen Bahnsteig suchen. Im Zug war es am Anfang etwas chaotisch, da mein Platz belegt war, aber man konnte die Sache schnell klären und so nahm ich auf meinem Liegesitz Platz und machte es mir gemütlich. Naja, gemütlich, also geschlafen hab ich nicht so viel, besonders als die nette kleine Französin es sich neben mir "sehr" gemütlich machte und immer näher zu mir rüber kam. Am Anfang schmunzelte ich ja noch darüber, aber als sie halb auf mir drauf hing, stubste ich doch mal dezant an. "Oh, pardon" quieckte sie, drehte sich herum, aber es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich sie mir vom Leib halten musste. Das andere Mal fiel sie fast aus dem Sitz und ich konnte sie gerade noch packen, bevor sie zu Boden krachte. War ja recht lustig, aber an Schlaf nahe zu nicht zu denken. Gegen 8:40Uhr kamen wir in Bayonne an und ich war froh endlich aus dem Zug raus zu kommen. 
Auf dem Bahnhof traf ich Markus, unschwer als Pilger zu erkennen und war froh nicht ganz alleine zu sein. In der Halle waren noch zwei Pilger, Sepp aus Augsburg und eine Polin. Zusammen frühstückten wir und kauften uns anschließend unser Busticket nach Saint Jean Pied de Port. Immer mehr Pilger kamen auf den Bahnhofsvorplatz und als wir gegen 11:15 Uhr losfuhren, waren so ca. 40 Pilger im Bus. Nach 1 1/2 Std. hatten wir Saint Jean erreicht, ein schönes Touristenstädtchen. Vom
Bahnhof liefen wir den anderen Pilgern hinterher, Richtung Pilgerbüro. Dort holten wir uns unsere Pilgerunterlagen und.... unseren ersten Stempel! Meine Pilgerherberge "Beilari" für die erste Nacht lag schräg gegenüber der Pilgerinfo und hatte noch geschlossen. Sepp und die Polin gingen heute noch los nach Orrison, ca 8km. Markus und ich gingen etwas Essen und Trinken und dann hatte meine Herberge auch schon offen. Markus mußte leider wo anders übernachten, da bei mir alles voll war. Mir wurde ein Bett in einem 8 Mann Zimmer zugewiesen. Es war ein nettes,geräumiges Zimmer. Nachdem ich geduscht hatte, erkundigten Markus und ich, das Städtchen und schauten schon mal in welcher Richtung es morgen los gehen würde. 
Gegen 19:30Uhr sollte es Abendessen in meiner Herberge geben. Ich war etwas eher da und konnte noch beim Essen vorbereiten und Schnaps einschenken helfen. Man war gleich integriert. Vor dem Abendessen machte man noch ein Kennenlernspiel, damit man die Namen der anderen ca 20 Pilger erfuhr. Anschließend sollte jeder noch erzählen, warum er den Jakobsweg macht. Da waren zum ersten Mal meine Englischkenntnisse gefragt. Na ja, klappte ganz gut. Ich hab verstanden was ich gesagt habe, ob´s die Anderen auch verstanden hatten? Ich glaub schon. 
An diesem Abend lernte ich Pilger kennen, die ich unterwegs immer wieder treffen sollte, so unter anderm Garry aus Australien, Rudolf aus Dortmund, Gabriella aus der Schweiz und Marjolein aus Holland.
Dann wurde zusammen gegessen und getrunken und bald danach suchten die Ersten das Bett auf. Keine 5 Minuten später saß ich alleine da und so ging ich auch zu Bett, gespannt was der nächste Tag bringen würde. 
Aber der Anfang war ja schon gemacht und bis jetzt war alles gut!

Kommentare:

  1. Hallo Wolle,
    Frage: Hattest Du das Quartier vorgebucht?

    Buen Camino
    Udo

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  2. Hallo Udo,
    ja, ich hatte die Herberge "Beilari" von Deutschland aus gebucht, damit ich in Ruhe ankommen konnte und nicht gleich dort was suchen mußte. Wie du oben gelesen hast, hat mein Pilgerfreund Markus nichts gebucht gehabt, aber auch noch was in SJPDP bekommen.
    Kommt bestimmt auch auf den Monat an, in dem du los willst.
    Ich würd wieder vorbuchen und ich würde wieder bei "Beilari" übernachten. Ist wirklich sehr zu empfehlen. Sauber, seeeehr freundlich, richtig familiär.

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